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MBSR & MBCL

Was bedeutet die Abkürzung „MBCL“ und woher kommt diese Methode?

MBCL steht für „Mindfulness-Based Compassionate Living“, sinngemäß ins Deutsche übersetzt „Achtsam und mitfühlend leben“.

 

Mindfulness-Based Compassionate Living (MBCL) ist ein achtsamkeitsbasiertes Training zur Kultivierung von (Selbst-)Mitgefühl. Es wurde von dem Achtsamkeitslehrer Frits Koster und dem Psychiater Dr. med Erik van den Brink aus den Niederlanden entwickelt.

 

MBCL-Übungen und die theoretische Grundlagen helfen, Geborgenheit, Sicherheit, Akzeptanz und Verbundenheit mit sich selbst und anderen zu erfahren und die Qualität von Mitgefühl im Alltag zu verankern. Ein weiteres Schwerpunktthema ist der mitfühlende Umgang mit schwierigen Gefühlen und herausfordernden Lebenssituationen z.B. dem Umgang mit Depressionen, Ängsten, körperlichen Krankheiten, chronischen Schmerzen oder traumatischen Erfahrungen.

Was ist der Unterschied zwischen MBSR und MBCL?

MBSR steht für „Mindfulness-Based Stress Reduction“ (dt. Stressbewältigung durch Achtsamkeit). Das Programm „Mindfulness-Based Stress Reduction” (MBSR) wurde 1979 von Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn als einfache und sehr wirksame Selbsthilfemethode zur Stressbewältigung an der Universitätsklinik von Massachusetts entwickelt. Dabei geht es u.a. auch um die Entwicklung einer milden Haltung in unserer Aufmerksamkeit und um liebevolle Freundlichkeit auch uns selbst gegenüber. 

 

Während bei MBSR das Üben der „Herzensseite“ der Achtsamkeit eher implizit vermittelt wird, steht es beim weiterführenden MBCL-Training ganz explizit im Mittelpunkt. MBCL ist eine relativ neue wissenschaftlich erforschte achtsamkeitszentrierte Methode zum Training von (Selbst)Mitgefühl. Der 8-wöchige Kurs eignet sich besonders als Aufbau- bzw. Vertiefungskurs nach der Teilnahme an einem MBSR-Kurs. In jedem Fall sind zur Teilnahme am MBCL-Kurs solide Vorerfahrungen in Achtsamkeitspraxis erforderlich.

 

MBCL richtet sich an Menschen jeden Alters, die ...

  • ... Erkenntnisse und Praxis des MBSR-Kurses zu vertiefen suchen
  • ... weitere Methoden zur Stressbewältigung und Burnout-Prophylaxe kennenlernen möchten
  • ... ihre Neigung zu Selbstkritik, Scham- und Schuldgefühlen verändern wollen
  • ... Freude an der Entwicklung und Transformation der eigene Persönlichkeit haben
  • ... sich einen fürsorglicheren, nachhaltigeren und liebevolleren Umgang mit sich (und anderen) wünschen.

Ist MBCL und MSC das Gleiche?

MBCL und MSC – was haben diese Trainingsprogramme gemeinsam und was unterscheidet sie?

In vielen Ländern werden zwei Formen von Mitgefühlstraining angeboten: Mindfulness-Based Compassionate Living (MBCL) und Mindful Self Compassion (MSC). Beide Programme bestehen aus acht Sitzungen und einer zusätzlichen Sitzung in Stille und haben das Ziel, Mitgefühl zu kultivieren.

 

MBCL wurde in enger Zusammenarbeit zweier wegweisender Achtsamkeitslehrer in den Niederlanden entwickelt und basiert auf ihrer umfangreichen Erfahrung in der Arbeit mit MBSR und MBCT in der psychiatrischen Versorgung: dem Psychiater und Psychotherapeuten Erik van den Brink und dem Meditationslehrer Frits Koster. In ihr Programm haben sie neben Elementen die von den Entwicklern des MSC stammen auch Elemente integriert, die von Gilberts Compassion Focused Therapy (CFT) abgeleitet wurden und deren Grundlage ein evolutionäres Modell des menschlichen Geistes ist. MSC wurde von Kristin Neff, einer Pionierin in der Forschung zum Thema Selbstmitgefühl und dem klinischen Psychologen Christopher Germer, einem Experten auf dem Gebiet der Meditation und Psychotherapie, entwickelt.

 

Was sie gemeinsam haben:

  • MBCL und MSC schöpfen aus vielen ähnlichen Quellen und präsentieren das Mitgefühlstraining auf säkulare, nicht-religiöse Weise. Sie basieren auf einem transdiagnostischen Blick auf menschliches Leiden und universellen Modellen des menschlichen Geistes und können beide in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden (Prävention, Primär- und Sekundäre Gesundheitsversorgung, Coaching, Beratung, Bildungswesen, Personalwesen, Management).
  • Sowohl MBCL als auch MSC beinhalten evidenzbasierte Übungen, die neue neurowissenschaftliche und klinische Erkenntnisse einbeziehen.
  • Beide Programme bieten Übungen an die helfen, mit Stress und (emotionalem) Schmerz auf eine gesündere Art und Weise umzugehen. Beide Programme zielen darauf ab, heilsame Geisteszustände zu kultivieren und integrieren Erkenntnisse aus der modernen Psychologie und altbewährte kontemplative Freundlichkeits- und Mitgefühls-Übungen (wie Metta und Tonglen).
  • Beide Programme geben viel Raum für den Umgang mit Nebenwirkungen der Selbstmitgefühlspraxis und den Umgang mit schmerzhaften Emotionen und Selbstkritik und unterstützen die Teilnehmenden dabei, ihre eigenen Unvollkommenheiten zu akzeptieren und eine freundliche, fürsorgliche und verzeihende Haltung gegenüber sich selbst zu entwickeln.
  • Beide haben die Entwicklung der vier grenzenlosen Qualitäten des Herzens (Freundlichkeit, Mitgefühl, anerkennende Freude und Gelassenheit) zum Ziel. 

Wie sie sich unterscheiden:

  • MBCL ist als Folgeprogramm konzipiert und die Teilnehmenden müssen zuvor an einem Grundlagenkurs in Achtsamkeit teilgenommen haben, vorzugsweise MBSR oder MBCT auf dem es gezielt aufbaut, oder Breathworks, MBRP oder ein vergleichbares Programm. MBCL vertieft bereits erworbene Achtsamkeits-Fähigkeiten und erweitert die Praxis um mitgefühlorientierte Übungen. Daher ist es Voraussetzung, dass MBCL-Lehrende bereits über Unterrichtserfahrung verfügen, zertifizierte MBSR- oder MBCT-LehrerInnen sind und einem ähnlichen Stil beim Unterrichten und beim Erforschen der Erfahrungen der Teilnehmenden folgen. Beim MBCL erweitern Lehrende ihr Unterrichtsangebot auf der Basis von MBSR/MBCT.
  • MSC ist als eigenständiges Programm konzipiert und integriert grundlegende Achtsamkeitsübungen in seinen Lehrplan. Es ist nicht erforderlich, dass die Teilnehmende zuvor an einen Achtsamkeitskurs teilgenommen haben. MSC-Lehrende haben eine eigenständige Lehrerausbildung absolviert, und es ist nicht Voraussetzung, MBSR/MBCT-LehrerIn zu sein. Jedoch müssen sie über eine fundierte und kontinuierliche persönliche Meditationspraxis verfügen.
  • Beim MBCL wird die Entwicklung von Selbstmitgefühl und Mitgefühl für andere als untrennbar betrachtet und es wird beidem viel Raum gegeben. Im MSC liegt der Fokus expliziter auf der Entwicklung von Selbstmitgefühl. Übungen in denen die Teilnehmenden Freundlichkeit/Mitgefühl für andere praktizieren werden auch im MSC angeboten, jedoch als Weg zur Entwicklung von Selbstmitgefühl.
  • Es gibt darüber hinaus noch einige kleinere Unterschiede in Bezug auf spezifische Übungen und Themen, die untersucht werden.

Welches Programm wählen?

Beide Trainings verweisen auf den Wert der Achtsamkeitspraxis. MSC weist darauf hin, dass es empfehlenswert ist, mit der Praxis der Achtsamkeit vertraut zu sein, MBCL betrachtet sie als Voraussetzung. Die Entwickler beider Programme betonen, dass Persönlichkeit, Stil und "Verkörperung" des Lehrenden oft wichtiger sind als das angebotene Curriculum. Beide Trainingsprogramme sind für sich genommen wertvoll, wie andere Mitgefühlstrainings auch, und es ist am wichtigsten, dass Menschen für sich selbst erkunden, was ihren Bedürfnissen am meisten entspricht.

 

(Dieser Text ist übernommen von www.compassionateliving.info, wörtliche Übersetzung von Jana Willms, Januar 2019)

Stimmt es, dass man im MBCL lernt, immer „positiv“ zu denken, um das Elend mit „Zuckerguss“ zu überdecken?

Nein, es geht weder darum positive Affirmationen oder „Positives Denken“ anzuwenden noch einen „Zuckerguss“ über unangenehme Erfahrungen zu legen. 

 

Statt dessen arbeiten wir im MBCL mit Wunschsätzen und heilsamem Hoffen. Es geht um eine Verknüpfung von heilsamer Intention, offener Achtsamkeit, Verbindung und der Emotion, die mit der Praxis entsteht und ein sich Öffnen für die Tiefe der menschlichen Erfahrung.

Ist so ein MBCL-Kurs eher eine „Jammer- und Mitleidsparty“ oder ein „Wohlfühl-Happening“?

Weder noch!

 

Es geht im MBCL nicht um Verdrängung von Schmerz oder ein Ertrinken darin, sondern um ein achtsames Leben mit dem Schmerz.

 

Die Mitgefühlspraxis ist auch kein Wohlfühl-Happening, um „gute Gefühle“ zu erzeugen, sondern ein Kultivieren von gutem Willen und innerem Frieden.